Sagenwelt Dolomiten und SÜdtirol

König Laurin

KÖnig Laurin

Rosengarten, das Reich von König Laurin

Das Reich Von KÖnig Laurin

Sage von König Laurin

Die Sage Von KÖnig Laurin

Einige Sagen aus unserer Umgebung:

König Laurin und sein Rosengarten


Hoch oben in den grauen Felsen des Rosengartens, dort, wo sich heute nur mehr eine öde Geröllhalde, das "Gartl", ausbreitet, lag einst König Laurins Rosengarten.
König Laurin war der Herrscher über ein zahlreiches Zwergenvolk, das dort in den Bergen nach edlem Gestein und wertvollen Erzen suchte, und besaß einen unterirdischen Palast aus funkelndem Bergkristall. Seine besondere Freude und sein Stolz aber war der große Garten vor dem Eingang zu seiner unterirdischen Kristallburg, in dem unzählige edle Rosen blühten und dufteten. Wehe aber dem, der es gewagt hätte, auch nur eine dieser Rosen zu pflücken: ihm hätte Laurin die linke Hand und den rechten Fuß genommen! Dieselbe Strafe wäre auch dem widerfahren, der den Seidenfaden zerrissen hätte, der den ganzen Rosengarten anstatt eines Zaunes umspannte.
Im Kampfe vermochte es der Zwergenkönig mit jedermann, auch dem stärksten Recken, aufzunehmen. Denn er besaß nicht nur einen Zaubergürtel, der ihm die Kraft und Stärke von zwölf Männern verlieh, sondern auch eine geheimnisvolle Tarnkappe, die ihn unsichtbar machte, wenn er sie aufsetzte.
So herrlich nun Garten und Palast des Zwergenkönigs auch gewesen sind, so fehlte ihm doch eines: eine Braut. Und als er darum hörte, daß der König an der Etsch gedenke, seine schöne Tochter Similde zu verheiraten, und eine Maifahrt ausrufen ließ, zu der sich alle Freier einfinden sollten, da freute sich Laurin und beschloß, die Einladung des Königs an der Etsch anzunehmen und auch um Similde zu werben.
Doch Tag um Tag verstrich, ohne daß ein Bote des Königs an der Etsch zu Laurin kam, um auch ihm die Einladung zu der großen Maifahrt zu überbringen. Das verdroß den Zwergenkönig, und so beschloß er denn, an dieser Maifahrt nur im geheimen teilzunehmen - indem er sich nämlich durch seine Tarnkappe unsichtbar machte.
Auf einem großen Rasenplatz vor dem Schloß des Königs an der Etsch fanden die Kampfspiele statt, an denen sich die Freier um Similde zu beteiligen hatten. Wer sich in diesen Wettspielen am meisten im Fechten und Reiten bewährt haben würde und also zuletzt als Sieger hervorging, dem wollte der König an der Etsch Similde als Maibraut anvermählen. Sieben Tage lang dauerten die Kampfspiele, dann waren endlich die beiden Recken ermittelt, die in einem abschließenden und alles entscheidenden Wettspiel um die Hand der schönen Similde kämpfen sollten. Es waren dies Hartwig, der in seinem Schilde eine Lilie führte, und Wittich, der eine Schlange als Erkennungszeichen hatte.
Lange wogte der Kampf zwischen den beiden tapferen Recken hin und her, und es nahte schon der Sonnenuntergang, wo der Wettkampf beendet werden sollte. Doch ehe der König das Zeichen zum Aufhören geben und einen der beiden Recken zum Sieger erklären konnte, entstand auf einmal Lärm, und Stimmen schrien durcheinander: Similde ist verschwunden! Similde ist geraubt worden! Aber als das Verschwinden der Königstochter bemerkt wurde, ritt Laurin mit Similde schon davon und konnte nicht mehr aufgehalten werden, zumal er seine Tarnkappe aufhatte und darum nicht nur er selbst, sondern auch sein Pferd und die geraubte Königstochter unsichtbar waren!
Laurin hatte im geheimen den Kampfspielen beigewohnt, und das holde Wesen der schönen Königstochter und ihr liebliches Antlitz hatten ihn je länger, desto mehr so gefangen, daß er endlich beschloß, den Ausgang des Kampfes nicht abzuwarten, wo Similde dem einen von beiden anvermählt würde, sondern die schöne Braut zu rauben und sie in sein Felsenreich zu entführen. Hartwig und Wittich aber beschlossen, diese Schmach nicht hinzunehmen und dem Zwergenkönig Laurin - denn nur dieser konnte Similde geraubt haben, das wußte man sogleich - die entführte Königstochter wieder abzunehmen.
Doch sie wußten wohl, daß dies ein schweres Unterfangen sein werde, besaß ja Laurin einen Zwölfmännergürtel und eine Tarn- oder Nebelkappe und überdies viele tausend Zwerge, die gewiß für ihren König zu kämpfen bereit waren.
Und so wandten sie sich an den großen und berühmten Fürsten Dietrich von Bern und baten ihn um seine Hilfe. Dieser sagte zu, wie wohl sein alter Waffenmeister Hildebrand ihn warnte und auf die geheimnisvollen Kräfte des Zwergenkönigs hinwies.
So machten sie sich denn auf die Reise nach der Felsenburg des Zwergenfürsten: Dietrich von Bern, Hildebrand, Hartwig und Wittich, Wolfhart und noch andere tapfere Recken. Als sie endlich vor dem herrlichen Rosengarten des Königs Laurin ankamen und die Fülle dieser Blütenpracht gewahrten, da staunten Dietrich und seine Gefährten - und sie beschlossen, den zarten Seidenfaden nicht zu zerreißen und den König herbeizurufen, um mit ihm gütlich zu unterhandeln, daß er ihnen Similde herausgeben solle, die er geraubt hatte. Doch Wittich, der Ritter mit der Schlange im Schilde, sprang, von Ungeduld gepackt, vorwärts, zerriß den Seidenfaden und zertrat die nächsten Rosen.
Da ritt schon König Laurin auf seinem Schimmelpferdchen daher, eine kleine goldene Krone auf dem Haupte und ein glänzendes Schwert in der Rechten, kam auf Wittich zu und forderte seine Hand und seinen Fuß. Doch Wittich höhnte nur, als er den kleinen Reiter sah, und sagte: "Komm nur her, Zwerglein, ich nehme dich gleich bei den Füßen und werfe dich an die Felsenwand!" Aber ehe er sich's versah, hatte ihn Laurin, der den Zwölfmännergürtel trug, überwältigt und wollte ihm also gleich Hand und Fuß abhacken! Dies aber konnte Dietrich von Bern nicht zulassen und eilte darum auf Laurin zu, um ihn an der Ausführung dieser furchtbaren Strafe zu hindern.
Laurin aber stieß Dietrich weg. So nahmen die beiden Könige den Zweikampf auf - der kleine Fürst des Zwergenreiches und der hünenhafte Recke aus Bern!
Mit der ganzen Zwölfmännerkraft, die ihm sein Zaubergürtel verlieh, hieb der Zwergenkönig auf den Berner ein und verwundete ihn mehrmals. Dies reizte den starken Berner, und er begann auch Laurin mit seinen Schwertstreichen nicht mehr zu schonen.
So kämpften die beiden Könige eine Weile wacker miteinander, und die Begleiter Dietrichs staunten über die Kraft und Behendigkeit des kleinen Fürsten, der sich von Dietrich nicht überwinden lassen wollte.
Da aber setzte sich Laurin auf einmal die Tarnkappe auf und war nun unsichtbar geworden! Damit war er im Vorteil: Er traf seinen Gegner mit jedem Hiebe, Dietrich von Bern aber konnte nur mehr blindlings um sich schlagen.
Da rief Hildebrand, der alte Waffenmeister: "Zerreiß ihm den Gürtel!" Dies aber war leichter gesagt als getan, denn Dietrich konnte ja den Zwergenkönig nicht sehen und also ergreifen. Da kam Hildebrand der rettende Gedanke: "Achte auf die Bewegungen des Grases, dann wirst du sehen, wo der Zwerg steht!"
Als Dietrich von Bern dies tat, konnte er sehen, wo Laurin gerade stand, er eilte auf ihn zu, packte ihn um die Mitte und zerbrach ihm den Gürtel. Dieser fiel zu Boden und Hildebrand nahm ihn an sich.
Nun war der Kampf rasch entschieden, und die Zwerge begannen zu heulen, als sie ihren König besiegt und in der Gewalt des Berners sahen, der ihm auch die Tarnkappe und alle Waffen abnahm. Ehe aber Dietrich und seine Begleiter beschließen konnten, was mit dem besiegten Zwergenkönig zu geschehen habe, da öffnete sich im Felsen ein Tor, das vorher niemand bemerkt hatte, und Similde trat heraus mit einer Schar von Dienerinnen. Sie dankte Dietrich und den anderen Herren für ihre Befreiung, bemerkte aber auch zugleich, daß Laurin sie immer gut behandelt und wie eine Königin geehrt habe. Die Herren sollten ihm darum nicht gram sein und ihn nicht weiter befehden, sondern mit ihm Frieden und Freundschaft schließen.
Diese Rede gefiel dem starken Dietrich, und er reichte Laurin die Hand zum Frieden. Laurin nahm die Hand an und lud Dietrich und alle seine Begleiter in sein unterirdisches Felsenschloß: "Ich will euch meine Schätze zeigen und euch wohl bewirten."
Die Recken nahmen die Einladung an und betraten den hohlen Berg. Wie staunten sie, als sie die reichen Schätze des Zwergenfürsten sahen! Endlich gelangten sie in einen großen Saal, wo sich Laurin mit seinen Gästen an einer reich geschmückten Tafel zum Mahle niederließ.
Da wurden sie nun von den Zwergen aufs beste bewirtet und mit Gesang und Spiel erfreut. Doch zu vorgerückter Stunde, als sie sich etwas Derartiges nicht mehr erwarteten, wurden die Recken plötzlich von den Zwergen überfallen, in Ketten gelegt und in ein festes Gewölbe geschleppt und dort eingeschlossen.
Dieser Verrat ergrimmte Dietrich und seine Begleiter, und sie schworen dem hinterlistigen Zwergenkönig Rache. Der Zorn gab dem Berner doppelte Kräfte, und so gelang es ihm endlich, die Ketten zu zerreißen und sich und seine Gefährten zu befreien. Sie zerbrachen die Türen ihres Gefängnisses, überwanden die anstürmenden Zwerge und nahmen endlich auch den König Laurin gefangen.
Hartwig, der Ritter mit der Lilie, brachte Similde aus dem Berg, holte sein Roß herbei, setzte die Königstochter zu sich in den Sattel und ritt mit ihr heimzu, zur Burg ihres Vaters, des Königs an der Etsch. Dieser freute sich über die Rückkehr seiner entführten Tochter und ging den beiden, die da Hand in Hand auf ihn zukamen, entgegen und vermählte sie. Dietrich und die anderen Recken aber ritten wieder nach Bern zurück. Doch den heimtückischen Zwergenkönig, der sein Friedenswort gebrochen hatte, nahmen sie mit, um ihn am Hof zu Bern gefangenzuhalten.
Er sollte nie wieder seine Felsenburg sehen können. Als er, gekettet und als Gefangener, sein Felsenreich verlassen mußte, da sprach er: "Diese Rosen haben mich verraten; hätten die Recken nicht die Rosen gesehen, so wären sie nie auf meinen Berg gekommen!" Und er verfluchte den ganzen Rosengarten und die Rosen und sprach einen Zauberbann über sie, daß sie fortan keiner mehr sehen solle, weder bei Tag noch bei Nacht. Dann verließ Laurin bitteren Herzens sein Felsenreich und zog mit den Recken nach Bern, um dort sein Leben als Gefangener zu beschließen. Doch er hatte bei seinem Fluche die Dämmerung vergessen! Und so kommt es, daß der verzauberte Rosengarten noch oft in der Dämmerung seine Rosenpracht zeigt und daß der ganze Berg über und über im Rosenschimmer erstrahlt und so die Erinnerung wachhält, an den unglücklichen König Laurin und seinen Rosengarten.

Quelle: Bruno Mahlknecht, Südtiroler Sagen, Bozen 1981. S. 121. Frei nach K. F. Wolff, König Laurin und sein Rosengarten, Bozen 1945 und Dolomiten-Sagen

Wie die Platzlinerin in Tiers entführt wurde


Eine Platzliner-Bäuerin sollte in die Kirche gehen, um aufgesegnet zu werden. Damals war aber der Gang zum Aufsegnen überaus gefährlich, denn es wimmelte das Tal von Unholden, die es besonders arg auf die ungesegneten Wöchnerinnen hatten. Es durfte kein Weib vor ihrem Aufsegnen allein vor die Haustür treten. Deshalb wurde die Platzlinerin von ihrer Dirn zur Kirche begleitet. Als sie vor die Kirchenstiege gelangten, blieb die Dirn drei Schritte zurück, und alsogleich war die Bäurin samt ihrem Kinde verschwunden. Der Bauer und mit ihm das halbe Dorf ging aus, das Weib zu suchen; sie durchstreiften das ganze Tal, doch vergebens. Da sah eines Tages jemand die Platzlinerin hoch oben in einer Felsenwand; sie rief zu der Person hinab und bat sie, ihrem Bauer zu sagen, er solle von da ab am dritten Tage um zwölf Uhr mittags auf einem von ihr näher bezeichneten Platz sein. Dort werde er sie mit dem Kinde sehen und müsse dreimal um sie herumtanzen, erst dann dürfe er auf sie zugehen, und sie werde wieder ihm gehören. Der Bauer begab sich zur bestimmten Stunde auf den bezeichneten Platz, wo auch schon das Weib stand mit dem Kinde auf dem Arm. Er tanzte um sie herum, vergaß aber zu zählen und stürzte sich schon nach dem zweiten Rundtanz auf sein Weib, um es zu fassen. Da schrie die Bäurin laut auf vor Schmerz und verschwand wieder samt dem Kinde. Der Platzliner hörte sie noch lange schluchzen und klagen, sehen konnte er sie aber nicht mehr.

Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 40

Das Lichtlein von Tiers.


"Höllteufel!" fluchte der Patzliner und rieb sich die Stirne, denn er war an einen Baumast gerannt. Dann bückte er sich und tappte nach seinem Hut umher, der war ihm nämlich vom Kopfe gefallen. "Wenn's in der Höll a so finster ist, dann brauchen die Teufel gute Augen." So sprach er, die letzten Worte zwar ziemlich leise, denn er erschrak selber über diesen Abweg, auf den seine Gedanken plötzlich geraten waren. Man soll den Teufel nicht an die Wand malen und es ist auch nicht angezeigt, in finsterer Nacht und auf einsamen Wegen von Hölle und Teufel zu reden. Der Bauer griff nach seinem Rosenkranz. Er war in Bozen gewesen auf dem Samstagmarkt, der Patzliner, hatte die Eier, die ihm die Bäuerin mitgegeben, und das Hafele mit Schmalz gut verkauft. Aber der Weg ist weit und es gibt viele Wirtshäuser vom "Weißen Kreuz" in der Stadt bis zur "Krone" in Tiers und der Weg ist weit und Durst hat man auch. So war es spät geworden und die Nacht war stockfinster. Noch immer glitt die "Bet" [Rosenkranz] durch seine Finger. Der Patzliner wollte sich die Hilfe des Himmels sichern, denn zu den Mühseligkeiten des Weges und der Nacht hatte sich noch etwas recht Unangenehmes gesellt - die Furcht. Der Bauer fürchtete sich vor der Nacht. Der kalte Angstschweiß perlte ihm von der Stirne herunter, und da sonst nichts, aber schon rein gar nichts zu sehen war, da zeigte dem Patzliner die Furcht die sonderbarsten Bilder. Er sah sich schon als Leiche unten im Bache liegen, er schloss die Augen und sah am Wegrand ein Marterl stehen - die Füße gegen den Himmel, den Kopf nach unten sauste ein Mensch zwischen einer Menge von Fichten, die ihre giftiggrünen Äste voller Entsetzen auseinanderspreizten, in die Tiefe. Wer der Mensch eigentlich war, das konnte der Bauer freilich nicht erkennen, denn man erkennt ja kaum seinen eigenen Bruder, wenn der am Kopf steht, aber der Stürzende hatte ein Gewand an wie der Patzlinerbauer zu St. Cyprian, wenn er Sonntags in die Kirche oder Samstags in die Stadt geht, und unter dem Gemälde war zu lesen: "Hier hat sich der Patzlinerpaur derfallen, Betez fier in ein Par grallen, Daß Ewige Liecht leicht ihm." Entsetzt schritt der Bauer aus und betete: "Herr, gib ihm die ewige Ruh und das ewige Licht - ahhh! -"Wahrhaftig und Gott! Da drüben, wo der Weg in den Wald einbiegt, glänzte ein kleines Licht. Der Bauer ließ Stock und "Zegger" fallen und lief ein Stück zurück. Aber auch den Rosenkranz hatte er in feinem Schrecken ausgelassen, und diese geweihte Waffe gegen jeden Spuk und jegliche Anfechtung des bösen Feindes musste er wieder haben. So schlich er nach einiger Zeit wieder vor und nahm seine Sachen vom Boden auf. Das Lichtlein war verschwunden. Der Bauer wagte sich deshalb ein paar Schritte in den Wald hinein. "Heiliger Vater!" Da war ja das Licht schon wieder. Aber es glänzte ganz ruhig und schwebte noch weiter Waldeinwerts, immer den Weg entlang leuchtend. Und wenn der Bauer allzu langsam ging oder gar wieder einmal stehen blieb, so stand das Lichtlein auch oder kam sogar ein Stück auf den Bauern zu - gerade wie eins, das eine Laterne vorträgt und umgekehrt, wenn es glaubt, dass, es dem, dem es zu zünden hat, zu schnell gegangen ist. So ging der Bauer denn - freilich langsam und zaghaft - dem Lichtlein nach und kam glücklich aus dem Walde und kam wohlbehalten über die Wiese zu seinem Hofe, immer hinter dem Lichtlein her. Und wie er um den Scheiterhaufen biegt, ist das Lichtlein auf einmal verschwunden, just, als ob es zwischen die Scheiter hineingeschlüpft wäre. Da wird der Bauer schon wieder angst und bange und er schaut, dass er ins Haus hineinkommt, und verriegelt die Türe. "Kimmst endlich nach Haus, du Lump, du alter? Du Saufaus, du damischer, du Rabenbratl. du schlechter Schelm, du Wirtshausbruder, du Aff, du gepelzter, du alter Lump!" "Jaz bische stille, Alte!" Doch die fing ihr Lied von vorne an und sang noch lange, bis der Bauer ihren Gesang mit seinem Schnarchbass zu begleiten begann. Da verstummte die erste Geige allmählich und der Bauer spielte sein wehmütiges Abendschlummerlied allein. Am nächsten Samstag ging die Bäuerin selber in die Stadt. "Damit dear Loter nöt wieder in die Versuachung fallt und um oans af Nacht hoamkimp. Sell kannt i nöt haben!" So zog dieser Samstag für den Bauern ohne Versuchung und ohne Niederlage vorüber, doch am Sonntag nach der Litanei fiel der Patzliner dem "Löwen" in den Nachen, und dieses Untier hielt ihn fest, nicht gerade so lange, wie lange der Walfisch den Jonas gefangen hielt, aber es war halt schon wieder finster, als der Bauer heimwertstorkelte. "Segen, ob mir heint wieder sell Liechtl leichtet!" Heute fürchtete er sich nicht, heute hing ihm der Himmel voller Geigen; was braucht es da noch Sterne und Mond? Und der Teufel, der umhergeht wie ein brüllender Löwe, suchend, wen er verschlingen soll, der hatte ihn ja schon verschluckt gehabt und wieder ausgeworfen. "Na, na, den Löwenteifel, den Teifelslöwen fürcht i nöt, dear sollt mir lei kemmen. Grad schad ist's, daß sie schun g'sperrt haben im "Löwen", a Viertele hätt mir no guet getan bei dem Durst." Und wirklich, wie er zum Walde kommt, wartet auch schon das Lichtlein auf ihn. Nur eines? Heute sieht er sogar doppelt. "Hi, hi, hi! Heint gib is fein nobel. Die heiligen drei Kinig mit ihmernen Stearn, Dö essen und trinken und zohlen nöt gearn. Grad oan Stearn haben sie g'habt, dö armen Hascher, drei Kinig und oan Stearn! And ih, der Patzliner von Tiersch, han für mi alloan schun ihrer zwoa." Und wie sorgsam die Lichter vor dem Bauern den Weg beleuchten! Viel heller scheinen sie als letztes Mal. "Ja, ja, doppelt genahnt, seil hebb viel besser, und wenn dir doppelt geleichtet wird, nacher sigsch besser! A alte G'schicht!" Der Bauer stapft selig durch den Wald. "Teixl no amol, ist dös a Beleichtigung! Jaz war i bald in dö Lacken getreten. Da geahts hear, ös Malefizliechter, ös windigen, nöt olleweil a Meile weit voraus! So ist's recht, jaz sig i a niade Wurzel. So will is haben! Gradaus leichten, ös Irrwisch, nöt olleweil hin und hear faggeln! Ös woggelts ja, als wenn's zuviel g'soffen hättets. Was saufts denn ös, wenn ös Durst habts, Bamöl oder Pitrolium? So, warum geahts denn iaz? So laß i mir's g'fallen! Ah, was ist denn dös iaz wieder für an Ung'stalt", mit offenem Munde lugte er nach vorne und kniff dabei das linke Auge zu, um deutlicher sehen zu können. "Was war denn dös iaz af oanmol! Wo ist denn iaz dös andere Liechtl hinkemmen? Dös möcht i wissen! Ah, da bist, du Sakrafunsen, du elendige!" Hierbei spritzte er mit dem Stiefel aus einer Pfütze auf die beiden Lichtlein hin, dass diese ängstlich zitternd ein Stück nach vorne schnellten. "No amol sollt oans von enk zwoa probieren dervunzelafen! Schian leichten iaz, sunst wear i enk göben! Zu kalt ist mir, wärmts mi a bißl!" Doch wie sehr er sich auch bemühte, eines davon zu haschen, es gelang ihm nicht. Dabei flog er ein um das andere Mal zu Boden und fluchte von neuem. Über die Wiese huschten die Lichter gar eilig hin, dass ihnen der Bauer kaum folgen konnte - und hast mich nicht gesehen, so siehst mich nicht wieder - hinter dem Scheiterhaufen verschwanden sie. "Geahts außer, ös Teifelsampeln! Daß ös mir no mei Holz unschürts! Außer geahts, sog i!" Da öffnete sich ein Fenster. "Was schreist denn so, du Narr? Weckst mir ja die Dienstboten auf. Schämst di denn gar nöt?" "Außer müassen sie!" "Laß sie schlafen die Knecht, wer wird denn iaz schun die Leit aufwöcken?" "Außer! Außer!" "Wenn iaz no nö still bist, du Bsuff, nacher kimm i außer. Einer geahst iaz in die Hütten, sunst kimm i." Ja, wenn der Patzliner zuviel getrunken hatte, da war das Lichtlein nicht zu beneiden - denn gewöhnlich war es nur eines. Nur wenn er doppelt geladen hatte, da brauchte er auch doppelte Beleuchtung. Aber trotz der schlechten Behandlung hat ihn in jeder Nacht, so der Mond nicht schien oder wenn der Himmel umzogen war, auch bei Schnee und Regen, in Sturm und Wind, das Lichtlein getreulich nach Hause geführt. Durch fünf Jahre hindurch, das hat der Patzliner selber erzählt, ist das so geschehen. Einmal saß er halt wieder in der "Krone" und schien auf das Heimgehen ganz vergessen zu haben. Die Nacht war pechschwarz, es goss in Strömen, und als der Bauer endlich aufbrach, da zeigte es sich, dass er lange nicht so sicher stand, als er früher steif und fest hinter dem Tisch gesessen war. "Patzliner, heint brauchst aber woll a Latearn?" meinte die Kronenwirtin. "Hab mi gearn", sagte der Bauer. "Sell war zuviel verlangt. Zum Gearnhaben bist du amol nöt gemacht. Aber a Latearn gib i dir mit, wenn sie magst und wenn sie mir wiederbringst - damit nöt fällst und deine Bäurin nöt zur Wittib wird. Heint ist's ja ganz schröcklich finster." Aber der Patzliner lachte und sagte: "Brauchts nöt, Wirtin, i find schun nach Haus, drüben beim Wald wartet ja mein Liechtl af mi." "So, so, a Liechtl sigst du schun? Na, dann wird's woll a nimmer lang dauern, Patzliner, bis du a die weißen Mäus tanzen sigst." "In dö Hütten geah i no amol einer", brummte der Bauer und wankte hinaus. Richtig, wie er zum Wald kommt, ist auch schon sein Lichtlein dort und schwebt vor ihm her. Der Bauer tappt ihm nach und freut sich, wie hell das Lichtlein brennt trotz des strömenden Regens und dass er so gut sieht bei jedem Schritt und Tritt. Wie sie dann zum Patzlinerhof kommen, verschwindet das Lichtlein, wie es immer verschwunden ist, wenn es den Bauern nach Hause gebracht hatte. Und jetzt hätte der Bauer auch tun sollen, was er immer getan hat: ins Haus hätte er gehen sollen und sich nicht weiter um das Lichtlein kümmern Aber er war damals so voller Stolz auf seinen treuen Heimbegleiter und ganz gerührt über die Opferwilligkeit und den Diensteifer des Lichtleins, dass er sich nicht halten konnte. Den Scheiterhaufen hat er umarmt und zwischen die Scheiter durch hineingeflüstert: "Vergelt´s dir Gott, mein Liechtl, daß du mi heint wieder so schön nach Haus begleitet hast. Bei der Finsternis hätt i mi schön derstoßen und derfallen. Vergelts´s dir Gott! Gelt ja!" Kaum war er aber mit seiner Dankrede zu Ende da erhielt er auf einmal von unsichtbarer Hand eine schallende Ohrfeige. Mit dem ,Vergelt´s Gott' hast eine arme Seel erlöst", belehrte ihn später der Pfarrer. "Und die Watschen?" "Das wird halt der Lohn sein für die üble Behandlung, die du dem Armen-Seelen-Liechtl die fünf Jahre hindurch hast angedeihen lassen, eine Strafe für dein Saufen... Da drehte sich der Bauer um, nahm Weihbrunn und ging. Die Ohrfeige hätte er übrigens schon noch verschmerzt, dass aber das Lichtlein in jener Nacht an nimmer auf ihn gewartet hat, das hat ihn bis zu seiner letzten Stund gewurmt, den alten Patzliner.

Quelle: Laurins Rosengarten, Sagen aus den Dolomiten, Franz S. Weber, Bozen 1914, S. 106-114.

Das Loch in der Scheifelewand.


Ein Pfarrer in Tiers hatte einmal eine Häuserin, eine rechte Unkatl. Alles musste nach ihrem Kopf gehen. Die Frühmesse durfte an Sonn und Feiertagen erst um 10 Uhr gelesen werden, damit sie sich recht bequem ausschlafen konnte. Der Pfarrer aber musste seinen Magen den ganzen Vormittag hindurch vor Hunger knurren lassen und kam manchmal auch erst um ½ 12 Uhr zu seinem Frühstück. Nicht einmal das vergönnte ihm der Geizkragen von einer Häuserin. Sie stellte ihm meistens, zum Frühstück und Mittagmahl zugleich, nichts anderes als eine wässerige Brennsuppe vor, während sie selber sich mit Gebackenem und Gebratenem, mit Wein und Bier stopfte und mästete. Dick war sie wie ein Streuschober und faul wie die Nacht. Sie selber ordnete überhaupt nur an, was zu geschehen hatte, arbeiten mussten Knecht und Magd. Der arme Pfarrer getraute sich kein Wort dagegen zu sagen. Die Dorfleute striegelte und riegelte sie wie besessen und erpresste von ihnen Steuern und Abgaben. Trug eine Bäuerin oder eine Dirne sonntags einmal zufällig ein hübsches, buntseidenes Halstüchel, das der Häuserin gefiel, so riss sie es ihr auf dem Kirchgang oder in der Kirche selber vor allen Leuten vom Leibe, schimpfte von "Hoffart" und "Eitelkeit" und band es am nächsten Montag sich selber um. Eigentlich war sie die Pfarrerin, der geistliche Herr war der Niemand, der war nur ihr Gesellpriester, dem ging's übler als dem allerärmsten Kooperator im Land. Wie sie aber einmal von einem notigen Bäuerle zu dem Korb von Eiern, die er gerade in den Widum brachte, noch ein halbes Dutzend Hühner verlangte, drei Kübel mit Schmalz und einen Sack weizenes Mehl, da stieg dem armen Schlucker, der selber nichts zu beißen und zu nagen hatte, die Galle. "Hol dich der Teufel", sagte er und wandte sich zur Türe. Dieser Wunsch kam ihm dabei so aus tiefstem Herzensgrund wie selten einmal früher ein Gebet. Wirklich saust es draußen in der Luft wie von Adlersflügeln und der leibhaftige Satan, mit glühenden Augen und über und über mit schwarzen Zotteln bedeckt wie ein Geißbock, flattert in den Widum, packt die Häuserin beim Kragen und fliegt mit ihr gegen die Scheifelewand zu. Dort wollte er mit ihr durch den Felsen hindurch. Doch der Berg war an der Stelle viel zu dick und zu breit. Der Teufel wühlte wohl eine großmächtige Höhlung in den Berg, doch musste er wieder umkehren. Jetzt wollte der schwarze Gangger mit seinem Höllenbraten über die Wand hinwegfliegen, aber die dicke Häuserin war so schwer, dass er mit ihr unmöglich so hoch steigen konnte. So versuchte er es denn noch einmal, durch die Wand zu stoßen - dieses Mal ein Stück weiter oben - und es gelang. Heute noch sieht man oberhalb der Scheifelewand das große Loch im Felsen, durch das das böse Weib zur ewigen Unruh geflogen ist. Die Tierser hätten das Loch später gerne noch vermauert, damit die Bißgurn nicht wiederkehre, sie kamen aber dann zur Meinung, dass der Teufel diesen Braten gewiss nimmer auslassen wird. "Hol dich der Teufel", sagt zwar heute noch so mancher in Tiers und anderswo, doch der Teufel ist ungefällig geworden.

Quelle: Laurins Rosengarten, Sagen aus den Dolomiten, Franz S. Weber, Bozen 1914, S. 77-79.

Die Pest im Tiersertal


1636 hat man geschrieben, als in vielen Tälern Tirols so arg die Pest gehaust hat. Bei Blumau und in das Tierser Tal hinein ist der grimmige Sensenmann ebenfalls auf heiße Arbeit gegangen. Da war in Tiers ein Bauer, der das Bestatten der Leichen sich zum Geschäfte machte, ohne daß er sich aber einen Kreuzer dabei verdienen wollte. Ein Paar rote Ochsen an seinem Wagen, fuhr er talauf, talab und führte die Toten auf den Pestfriedhof hinauf. "Hü!" sagg er za die Roatn, "hü! mit die Toatn!" Wahrscheinlich ist in der bösen Zeit, als alles zum Kreuze kroch, der "Jungfernbund" als Gelöbnis gegründet worden. Die Bundesfahne, die sich jetzt in Tiers befindet, trägt nämlich am untern Ende das Bild, wie der wackere Bauer mit seinen "Roaten" einen Sarg dahinführt.

Der Hartmannsbrunnen


Ein heiligmäßiger Bischof, namens Hartmann, reiste über die Tierser Und Welschnofner Alm nach Fassa, Auf dem Wege, der über die Tierser Alm führte, kam er zu einem Brunnen und begehrte daraus einen Trunk, um seinen Durst zu löschen. Die Bauern, welche ihm als Wegweiser das Geleite gaben, erzählten ihm aber von der Schädlichkeit des Wassers und daß allerlei giftiges Gewürm im Brunnen hause. Wer von dem Wasser desselben trinke, müsse alsbald sterben, und schon viele seien davon zugrunde gegangen. "Das ist hart für die Almleute", sagte der fromme Bischof, "weit und breit kein Wasser und dieser einzige Brunnen giftig. Das muß anders werden!" Darauf sprach er seinen Segen über das Wasser, und alles giftige Getier wich von Stund an. Das Wasser aber wurde überaus angenehm und erfrischend und bietet dem Wanderer, wie den Mälidern, welche diese Gegend besuchen, wunderbare Stärkung. Aus Dankbarkeit benannten die Leute den Brunnen nach dem gottseligen Bischof. Es gibt in der Tat weit und breit kein köstlicheres und gesünderes Wasser, als das vom Hartmannsbrunnen auf der Welschnofner Alm.

Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 332 f.

Vom Sebastiankirchlein


Ober dem Dorfe Tiers, eine halbe Stunde entfernt, steht ein Kirchlein, das dem hl. Sebastian geweiht ist. Von dessen Entstehung erzählt man folgendes: Als in Tiers einst der Schwarze Tod wütete, gelobte der Totengräber, daß er, sobald die Pest vorbei sein werde, zu Ehren des Pestheiligen Sebastian eine Kapelle bauen werde. Die Pest hörte glücklich auf und verschonte den Totengräber, und dieser beschloß nun, sein Gelöbnis auszuführen. Wo aber das Kirchlein erbauen? Da spannte er zwei "ungelernte" schwarze Ochsen an einen kleinen Wagen, legte den letzten Pesttoten darauf und ließ sodann das Gespann ohne Leitung gehen, wohin es wollte. Wo die Ochsen stehen bleiben würden, dort sollte die Kapelle erstehen. Die Ochsen zogen an und gingen langsam ihres Weges und blieben erst ein gutes Stück oberhalb des Dorfes stehen. Man versuchte sie weiterzutreiben, aber sie standen fest an der Stelle. Nun lud der Totengräber die Truhe mit der Pestleiche ab, grub diese dort an Ort und Stelle ein und baute dabei die Kapelle, die heute noch steht. (Tiers.)

Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 332 f.

Das Tschetterloch


Im Tschamintal hinter Tiers führt unten, nicht hoch über dem Bach, ein tiefes Loch in den Schlern hinein, so tief, daß man mehr als eine Viertelstunde zu gehen braucht, um ans Ende zu kommen. Vor dem Loch braust ein Wasserfall herab, so daß, wer dasselbe besuchen will, zuerst das schwer herniederstürzende Wasser über sich ergehen lassen muß. Ganz hinten im Tschetterloch ist ein Raum, in welchem ein Tisch und an den Wänden herum Bänke angetroffen wurden. Die einen sagen, diese rührten von den Hirten früherer Zeiten her, welche darin Obdach gesucht, andere erzählen, daß hier die ersten Christen ihren verborgenen Gottesdienst gefeiert hätten, als die Christenverfolgung wütete, wieder andere meinen, im Tschetterloch hätten die Riesen der Vorzeit gehaust, samt ihren Hunden, und die letzten endlich behaupten, diese Höhle habe den Saligen Leuten zum Aufenthalt gedient, und um dieselben vor den Nachstellungen der Riesen und Menschen zu sichern, habe Gott der Herr den abstürzenden Bach darüber hergeleitet.

Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 354

Die Schlernhexen


Wenn der Storch einmal recht gut aufgelegt ist und ein recht schönes Mädel in die Stadt bringen will, kein Alltagsmädel, sondern ein recht schönes, eines mit den dunkeln Augen, die doch nicht schwarz sind, von denen man überhaupt nie herausbringt, welche Farbe sie haben, und mit dem dunkelblonden Haar, nicht blond und nicht schwarz, sondern eben boznerisch dunkelblond - dann fliegt er nicht zu den Talfertümpeln neben der Grieser Wassermauer und nicht hinaus nach Kampill, wo der Eisack oft träg und langsam in einem Seitenarm dahinlungert, nein, dann fliegt er hinüber zum Kalvarienberg. Dort oben steht hart neben der steinernen Treppe, die zum Kirchlein emporführt, neben dem Weg eine kleine Kapelle. Und in der Kapelle ist ein Brunnen mit zwei Wasserbecken, und aus dem linken Becken - rechts schwimmen die Buben - holt dann der Storch seit alters her die schönen Mädeln und bringt sie hinunter in die Stadt. Und außer der Mutter und dem Vater weiß es noch niemand, wie schön das Mädel ist und dass sie der Storch vom Kalvarienberg heruntergeholt hat. Aber Iass dir nur Zeit, da vergehen keine tausend Wochen, und dann weiß er auf einmal die ganze Stadt, da sieht es dann jeder, der Augen hat zu sehen. Und es hat schon mancher ungläubig den Kopf geschüttelt und nicht begreifen können, wie ein Menschenkind so schön sein kann. Und nur diesen ahnungsvollen Zweiflern will ich meine Geschichte erzählen, die andern verstehen sie doch nicht. Es ist schon lange, lange her. Damals, als der Rosengarten noch ein Garten voll blühender Rosen war und das Königlein Laurin dort oben die Krone trug, da blühten auf dem Schlern drüben Rosmarin, Gilgen und Nelken. Der kleine König hat oft voller Neid und Grimm von den Zinnen seiner Rosenburg hinübergesehen auf die Pracht dieser Blumen, und mancher tollpatschete Riese, manch raunziger Zwerg und nicht zuletzt die Buben von Seis und Völs versuchten es, mit den saligen Fräulein anzubandeln, die im Schlerngarten die Blumen zu Pflegen hatten. Und die Riesen und Zwerge, die Seiser und Völser haben ganz ähnlich geseufzt und ähnlich gejammert, wie heutzutage noch dann und wann die Bozner Buben jammern. Wie sie aber dem König Laurin die Rosen zertreten haben und ihn selbst gebunden hinunterführten in das Tal, da hat eine von den Saligen, die gerade nach Tiers hinabgestiegen war mit einem Nelkenstöckl für die alte, kranke Viglin, über das arme Königlein gelacht. Da ist Laurin ganz außer sich gekommen vor Wut und Zorn und hat den Schlerngarten verflucht und die schönen Gärtnerinnen in Hexen verwandelt. Damals ist der Schlern zu dem wilden Berg geworden, der er noch heute ist, und damals sind die blauen Blumen entstanden, die nach der Blüte die grauen Zottelhaare ansetzen - die Schlernhexen. Und so hätte es bleiben müssen bis an das Ende der Welt. Denn welcher Pater hätte den Zauber brechen sollen? Hat doch keiner gewusst, dass die blauen Blumen verwunschene Salige sind. So hat sich auch kein Pater um die Schlernhexen gekümmert, höchstens dass einer, der auf den Schlern gekommen ist, um Messe zu lesen in der Kassiankapelle, ein paar solcher Blumen mit seinen Bundsohlen zertreten hat. Doch davon sind sie auch nicht entzaubert worden. Da hat sich denn der Schlernwind ins Zeug gelegt. Das ist ein großmächtiger, bärtiger Riese, nicht eben recht freundlich, aber er hat ein gutes Herz. Der hat im Herbst einmal zu schnaufen und zu blasen angefangen, dass den armen Blumen oben am Schlern ganz angst und bange wurde. Doch je mehr sie gezittert haben vor Schrecken und Bangnis, desto mehr hat der Schlernwind geblasen und gestürmt. Die Schlernhexen haben sich kaum mehr am Boden halten können, so wild hat er getan, und hat der einen die Haare ausgerissen, der andern den ganzen Kopf davon - husch und wu-ih, wu-ih - hoch hinauf in die Luft bis zu den Wolken und dann wieder tief hinab bis ins Tal. Als der Schlernwind mit den Hexenhaaren lang genug gespielt hatte, hat er sie grob und leichtsinnig neben der Heiliggrabkirche am Kalvarienberg zu Boden geworfen. Im nächsten Frühjahr hat es seltsame, neue Blumen gegeben oben am Kalvarienberg. Im Herbst ist dann die Stampf-Nandl immer hinauf, um das Unkraut auszustechen rings um die Heiliggrabkirche herum innerhalb des steinernen Geländers, und da hat die Nandl manche Schlernhex aus dem Boden gezupft und in ihren Korb geworfen, und abends hat sie den Korb in den Brunnen geleert drinnen in der Kapelle. Sie hat sich wohl oft gewundert, wohin der ganze Haufen Unkraut vom Vortag gekommen sei, wenn sie am nächsten Abend wieder einen Korb voll in den Brunnen geschüttet. Doch das Unkraut war weg, das war für sie die Hauptsache, und weiter hat sie sich keine Gedanken gemacht, die Nandl. Wisst ihr aber, was mit den Schlernhexen in der Kapelle geschehen ist? Die sind allesamt wieder in ganz kleine, winzig kleine Salige verwandelt worden. An dem heiligen Ort hat sich der Fluch des Königleins nicht halten können. Und wenn der Storch einmal recht gut gelaunt ist und ein recht schönes Mädel in die Stadt bringen will, dann fliegt er nicht zu den Talfertümpeln neben der Wassermauer und nicht hinaus nach Kampill. nein, dann fliegt er hinauf auf den Kalvarienberg und holt uns eine von den Saligen. die früher einmal, vor langen, langen Fahren, am Schlern oben die Blumen gepflegt haben und die später dann - das darf man nie vergessen - in Schlernhexen verzaubert waren.

Quelle: Laurins Rosengarten, Sagen aus den Dolomiten, Franz S. Weber, Bozen 1914, S. 49-53

Der Marksteinrucker


Am Niger unter dem Rosengarten haben die Tierser und die Welschnovner Jahrzehnte hindurch wegen der Almgrenzen zu streiten gehabt. Sommer für Sommer sind die Hirten und Bauern von der einen und von der andern Seite dort oben zusammengewachsen und haben sich die Köpfe blutig geschlagen. Haben sich gegenseitig zur Ader gelassen, ohne dass es auch nur einem Bader eingefallen wäre, sie wegen Kurpfuscherei vor Gericht zu ziehen. Im Gegenteil - die Dokter der Medizin haben fast die gleiche Freude an diesen Unterhaltungen der Bauern gehabt wie die Dokter der Rechte. Vor Gericht gezogen haben sich die Bauern schon selber und die Advokaten in Bozen hatten über Hals und Kopf zu tun. Endlich, nachdem die Tierser und Welschnovner einander so manches zuleide getan hatten, hat ein altes Manndl aus Fassa Frieden gestiftet und die Marksteine gesetzt. Alle waren einverstanden, die Hübern und Drübern, bis auf einen einzigen Welschnovner Bauern. Dem hat die Mark noch immer nicht recht getaugt. Gesagt hat er zwar nichts - es hätte ihm auch nicht viel geholfen - aber in einer finstern Regennacht hat er einen Spaziergang auf den Niger gemacht und die Grenz ein wenig verschoben - natürlich zu seinem Nutzen. Wie dann der Bauer verstorben ist, war am Niger schon wieder keine Ruhe und der Teufel los. Man hat von einem Gespenst zu erzählen angefangen, das sich dort oben sehen lasse und jämmerlich schreie und seufze. Der Ladritscher Müller von Welschnoven muss einmal spät in der Nacht über den Niger. Wie er oben auf der Höhe grad einen Raster macht und ein Maul voll Kranewiter aus seiner Flasche glucksen lässt, kommt richtig der Irrwisch daher und jammert mit seiner hohlen Geisterstimme: "Wo soll ich ihn hintun, den Stein? Wo hintun, hintun? Wo - wo - wo - hin?" "Da trink einmal, du Goggezer (Stotterer)", sagt der Müller gutmütig und hält ihm die Schnapsflasche entgegen. Der Geist aber fängt neuerdings zu stöhnen an wie eine Schleiereule: "Wo soll ich ihn hintun, den Stein? Wohin? Wohin? Wohin?" Dass jemand seinen Kranewiter, den er selbst gebrannt, zurückweisen könnte, wie es dieser Jammergeist da tat, das hätte sich der Müller bis dahin nicht einmal im Traume einfallen lassen. Das machte ihn fuchtig, den Ladritscher. Und als der Geist noch immer sein "Wohin? Wohin? Wohin?" über die Almen stöhnte, fuhr ihn der Müller recht ungnädig an: "Du bist a fader Säckel mit deinem ,Wohin? ´ Von mir aus, tust ihn hin, wo du ihn hergenommen hast, aber mich lasst jetzt in Ruh." Da humpelte der Geist eiligst davon und hat sich nie mehr sehen lassen. Der Rat, den Stein auf den alten Platz zu setzen, muss ihn erlöst haben. Der Ladritscher Müller aber ist seit der Zeit an schlecht auf Geister und Gespenster zu sprechen. Das sind nach seiner Meinung Wesen, die keinen Leib, aber auch keinen Verstand haben, denn sonst hätte der Jammerer den Kranewiter zum mindesten gekostet.

Quelle: Laurins Rosengarten, Sagen aus den Dolomiten, Franz S. Weber, Bozen 1914, S. 80-82.

Lomberda - die Wetterhexe


Die Lomberda war eine Riesenhexe aus dem Welschland, groß, stark und wütig. Sie hauste jahrzehntelang am Rosengarten und verstand alles, was die Zauberkunst betrifft und die Hexenweisheit ausmacht: Wetter machen, Bauern plagen und Vieh schrecken. Die Leute in den Tälern um den Rosengartenstock herum lebten mit ihr in immerwährendem Krieg. Aber, glaubt ihr vielleicht, die Fassaner, Welschnovner, die Tierser und Kastelruther haben sich nicht zu wehren gewusst? O, da kennt ihr die Leute da oben in den Dolomiten schlecht. Gar nichts haben sie sich bieten lassen und ganz ausgezeichnet haben sie es verstanden, dem Teufelsweib so manches zum Trotz zu tun. Das werdet ihr jetzt gleich hören. Einmal, da rührt die Lomberda mit einem Reisbesen den Antermojasee hinter dem Kesselkogel auf, dass es nur so sprudelt und knudelt. Schon steigen die schwarzen Wolken in die Höh und überziehen den ganzen Himmel. Es blitzt schon - ein ganz gräuliches Ungewitter droht jeden Augenblick loszubrechen. Da fängt der Mesner zu Pozza im Fassatal die Wetterglocke zu ziehen an. Ein paar gelbgrüne Zucker noch am finsteren Himmel und das Wetter muss sich wieder verziehen. Bald scheint die Sonne und es ist wieder der allerschönste Tag. Das hat die Lomberda natürlich wenig gefreut. Eine ganz unbändige Wut hat sie auf den Mesner gehabt und hat wie eine Besessene mit ihrem Besen in den See hineingeplantscht, dass das Wasser um und um aufgespritzt ist. Aber es ist nichts anderes mehr geschehen, als dass die Lomberda bis auf ihre eigene Runzelhaut waschnass geworden ist. "Der Putzer Plentenkessel", so hat sie über die Berge hin geschrieen, "hat mir den ganzen Spaß verdorben." Dann ahmte sie höhnend das Klingen der Glocke nach. "Geling - gelong, geling - gelong! Schell nur, du alter Plentenstotz! Nicht einmal ein bißl Abkühlung vergunnen sie mir - die Putzer Blutzer mit ihrem Gling-glung." Das war so ihre Art, von den geweihten Glocken zu sprechen. So fluchte sie und schimpfte auf das unflätigste, wenn ihr das fromme Geläut irgendein Lasterwerk vereitelte. "Die winselnde Katz von St. Peter, der kohlende Hund von Layen, der lurlende Tierser Stier", so wetterte sie gegen ihre Widersacherinnen auf den Türmen. "Die Umser Sumser, die tscheppernden Kastelruther Geißschellen, die quänggeten Latzfonner Muspfannen, die Brummer von Gummer, die St. Vigillen Grillen, der wampete Knödlhafen von Welschnoven", so hieß sie die vielen Glocken rings um den Rosengarten herum. Sie liebte sie, wie ein gehetzter Fuchs die Hundemeute liebt, die hinter ihm herkläfft. Wohin sie lauschte, rief ihr eine Glocke zu: "Fort mit dir, du schiache Hex!" Oder sie glaubte aus dem Gesänge der Glocken Spottlieder und Trutzweisen herauszuhören. "Alle Wetter sind uns bekannt, Lomberda, die Hex, muss aus dem Land! Alle Wetter verjagen wir, Lomberda, wart, dich plagen wir. Schüttelt sie, rüttelt sie, rupfts ihr die Haar. Haut zum Kraut sie, gebts ihr ein paar! Necks, schrecks. becks. Pack sie die Hex!" so sangen und klangen die ehernen Jungfrauen auf den Türmen. "Lomberda, Lumpin! Lomberda, Lumpin!" so höhnten die Glocken. Wohin sie blickte, drohte ihr aus dem Tale ein Kirchturm wie ein großer Zeigefinger: "Wart nur, du Teufelin. Trau dich nur, du Wetterhex!" Eines Tages brach sie dort, wo jetzt das Tschagerjoch den Einschnitt in der Rosengartenkette bildet und den Wanderer von der Wajolethütte herauf lässt und hinunterführt in die Behausung der Kölner, ein großes Stück Berg heraus und schleuderte den Felsklotz in das Tal hinunter, dass die Trümmer noch heute am Kölblegg herumliegen. Gezielt hätte sie damals eigentlich nach Welschnoven hinunter und wäre willens gewesen, das ganze Dorf mit dem gewaltigen Felstrumm zu zerschmettern, wenn nicht der "Welschnovner Knödlhafen", das heißt in unserer Sprache die große Glocke, noch rechtzeitig ertönt wäre und so die teuflische Riesenkraft in Lomberdas Hexenarmen hätte erlahmen müssen. Ein anderes Mal wollte sie den Rosengarten nach Tiers hinunterwälzen und der Fels war durch ihre Zauberkünste bereits zu weichem Teig geworden. Heute noch sieht man das Stück, das sie schon vom großen Berg weggeschoben hatte. Es ist die zerklüftete, rissige Wand, die vor dem Gartl aufsteht. Wenn man dies Felsgestein genau betrachtet, kann man sich's ganz gut vorstellen, wie die Hexe ihre Teufelspratzen aus dem weichen Stein herausziehen wollte und ihr der Krapfenteig an den zehn Fingern herunterhing. Da fing aber gerade der "Cyprusstier" zu brüllen an, die Glocke von St. Cyprian erscholl und aus war es mit der ganzen ruchlosen Hexerei. Der Stein erstarrte augenblicklich wieder und die Lomberda war gefangen, wie ein Wiesel, das ins Schlageisen gesprungen ist. Zum Glück sind die Leute unten im Tale durch die herabfallenden Steine aufmerksam geworden und haben sich gleich gedacht, dass hier wieder einmal die Lomberda an der Arbeit ist. Sie hatten den guten Einfall, die Glocke weiter zu läuten, immerfort und immerzu, sechs Stunden lang, bis ein Trüpplein baumstarker Bauern oben am Berge war und die Hexe am Kragen hatte. Hätte der Mesner, sein Weib und seine Buben unten auch nur einen Augenblick ausgesetzt, am Glockenstrang zu ziehen, so wäre es den Männern oben bei der Lomberda, so viel ihrer auch waren und so kampfbereit und rauflustig sie sich auch fühlten, übel ergangen. So aber waren sie im Vorteil und die Hexe war während des Glockengeläutes nicht viel stärker als ein anderes Weib in einer schwachen Stunde. Das nützten die Tierser und die von Cyprian wacker aus und schleppten die Lomberda talab bis zum ersten Bauernhaus. Dort schwangen sie das Weib in einen kupfernen Waschkessel und schmiedeten sie mit kupfernen Ketten daran fest. Gegen das Kupfer hat kein Zauber Bestand. In diesem Kessel führten sie ihre Gefangene nach Tiers und dann hinunter zum Karneider Richter. Beim Wirtshaus zum Halbweg wäre ihnen die Hexe bei einem Haar ausgekommen. Sie hätte ja auch nur ein bisschen Erde nötig gehabt, um die Gewalt, die ihr das Kupfer antat, brechen zu können. Die Männer saßen gerade in der Trinkstube und hatten den Wagen mit der Lomberda im kupfernen Kessel ohne jede Aufsicht vor dem Hause stehen. Auch der Mesner hatte das Läuten eingestellt. So sicher fühlten sich die Bauern. Kamen einige Kinder und schauten sich die böse Hexe an, erst von weitem, dann immer einen Schritt näher, endlich, als ihrer schon ein ganzer Schwarm war, sechs oder sieben Schritte vom Wagen. Was tut da die Lomberda? Schneidet sie nicht den Kindern Grimassen und Gesichter, reckt ihnen die Zunge heraus, schiebt die untere Lippe fast eine Spanne weit vor, verzieht das Maul nach rechts und verrenkt es nach links. Die Kinder von damals taten, was die von heute auch noch täten, sie antworteten ihrerseits mit den gleichen Begrüßungen und Höflichkeiten, und da sie auch die Hände frei hatten, bedienten sie sich auch dieser und zeigten der Lomberda lange Nasen, einhändige und zweihändige, solche mit ausgestreckten Fingern und andere, bei denen es die Finger gar eilig hatten im Zappeln und Auf- und Zubeugen. Das konnte das Weib allerdings nicht nachmachen, weil ihre Hände an den Kessel geschmiedet waren, doch Lomberda fing nun zu spucken an. "Pfui Teufel, du Hex! Hörst auf mit deinem Speien!" Da fiel einem Buben ganz was Neues ein. Schon bückte er sich, um die Hexe mit Steinen und Erde zu bewerfen, und das hatte sie eben mit ihren Unarten bezweckt, nur das mit ihren Verhöhnungen heraufbeschwören wollen. Mit einer Handvoll Erde hätte sie ihrer kupfernen Bande gespottet und sich mit Leichtigkeit wieder frei gemacht. .Schon wollte der Bub in seinem Zorn die Erde auf die Hexe werfen, da kam der alte Voit gerade noch zurecht und bewirkte mit einer gut gezielten, schallenden Ohrfeige, die er dem Buben verabreichte, dass die Erde ganz wo anders hinflog. Von da an haben die Bauern die Hexe freilich nimmer aus den Augen gelassen und sind nicht von ihr gewichen, bis sie am Gallbühel oberhalb Blumau auf dem Scheiterhaufen in Flammen aufging. Noch heute ist dort der Hexengeruch beim Wetterwechsel stark zu merken. So war es auch recht. Ein Hexenfang glückt ohnedies nur selten, dann aber heißt es aufpassen, dass die Hexe in der Gefangenschaft nicht noch mehr Unheil anstiftet als in freier Weite, denn nicht immer läutet die Wetterglocke, wenn man sie braucht.

Quelle: Laurins Rosengarten, Sagen aus den Dolomiten, Franz S. Weber, Bozen 1914, S. 99-105.

Die Geschichte von der Pfanne


Unter dem Rosengarten wo Heute nur noch Geröllhalden sind gab es noch einen Hof wo sehr arme Leute mit ihren Ziegen hausten. Die Bäuerin hatte viele Kinder und dazu die Not im Haus. Es waren lauter Mädchen und die Älteste mit fünfzehn Jahren musste zu fremden Leuten in den Dienst gehen. Eines Tages hatten die Leute, denen das Mädchen als Recherin zugeteilt war, mehrere Stunden schwer gearbeitet, um eine steile Wiese abzuräumen; dann aber rasteten sie unter einer Lärche und verzehrten Brot und Käse. Plötzlich bemerkte die junge Recherin ein „ Mórkye“ (Zwerg) der ihnen von einer nahen Felswand zusah. Der wird wohl Hunger haben, dachte sie, und warf ihm ein Stückchen Käse zu. Der Zwerg erhaschte es und verschwand in eine Kluft. Als das Mädchen einige Tage später zur Abendstunde den Berg hinaufstieg, um Ihre Angehörigen zu besuchen; da winkte ihr ganz unvermutet der selbe Zwerg von einen Felsblock und zeigte hinter sich. Sie umging den Felsblock und stand vor einer riesigen Pfanne. „ Wie viele Kinder könnten da wohl baden“ fragte der Zwerg. Das Mädchen dachte nach und antwortete. „Sieben Kinder dürften wohl Platz haben wenn man sie im Kreis setzt.“ „erraten!“ bemerkte der Zwerg; dann fügte er hinzu: „Die Pfanne ist uns zu geräumig und zu schwer, aber du kannst sie brauchen, nimm sie und trag sie nach Hause, wenn du diese Mühe nicht scheust.“ Das Mädchen nickte freudig, schwang sich die Pfanne über den Rücken und schleppte sie fort. Ganz erschöpft kam sie heim und die Mutter war sehr erstaunt über die herrliche Pfanne, meinte aber, dass sie viel zu groß sei. Trotzdem benützten sie die Pfanne von nun an, und siehe da – so wenig sie auch hineintun mochten, die Pfanne wurde beim Kochen immer voll, und das Essen reichte stets für alle Leute. Das Mädchen erbte später den Hof, wurde reich und vergrößerte ihn. Sie bekam sechs Töchter und einen Sohn, und zog sie alle auf. Die Pfanne wurde weiterhin benutzt. Wenn aber zur Nachzeit an die Fensterläden leise geklopft wurde wusste die Bäuerin sofort bescheid. Am folgenden Tag kochte sie in der großen Pfanne Schweinefleisch und Kraut und stellte das fertige Gericht abends in die Dachkammer. An diesen Abend musste für die Hausleute in einer anderen Pfanne gekocht werden, da hieß es viel Zeug hineingeben, denn beim kochen wurde es nicht mehr, sondern weniger. In der Nacht kamen dann mehrere Zwerge und aßen alles auf. Sie hinterließen die Pfanne plitzblank gescheuert in der Kammer. Als die Bäuerin nach vielen Jahren gestorben war und die Zwerge wieder einmal klopften, sagte die Frau ihres Sohnes zu ihren Schwägerinnen:“ Ihr werdet doch jetzt unser Hab und Gut nicht mehr verschleudern?“ Den sechs Schwestern war das nicht recht denn sie wollten es weiterhin halten wie die Mutter. Sie getrauten sich aber nicht etwas zu erwidern. Die Zwerge fanden die Kammer leer und gingen ganz ruhig wieder in die Nacht hinaus. Nach einem Jahr kamen sie wieder. Doch diesmal hatte die Bäuerin zum Hohn die leere Pfanne hinaufgestellt. Die Zwerge trugen die Pfanne fort und meldeten sich nie wieder. Seitdem begannen die Leute auf dem Hofe abzuhausen, und jetzt ist von ihn längst keine Spur mehr zu sehen, denn dort, wo er lag schiebt sich die „Rote Lahn“ vom Rosengartengebirge herunter, und auf einer Lahn kann man nicht leben.

Die Tochter des Baumes


Unter dem Rosengartengebirge, wo der Weg von Fassa nach Völs führt, breitet sich der Nigerwald aus. Dieser Wald ist groß und Dunkel. An seinem Rande stand eine baufällige Hütte in der ein Pechklauber und sein Weib wohnte. Sie waren sehr arm, doch die Frau wünschte sich so sehr ein Kind. Einmal, als die Frau vom Fassatal über den Karer Paß nach Hause zurückging, kam sie an die Quelle von der man sich erzählte, dass sie sprechen könne vorbei. Am Morgen hatten die Blumen zu ihr gesprochen und nun wollte sie hören was die Quelle zu sagen hatte. Sie hörte dem Wasser aufmerksam zu und ging nach Hause. Ihr Mann glaubte ihr die Geschichte nicht, doch das Weib wollte den merkwürdigen Rat der Blumen und der Quelle befolgen. Sie suchte sich im Wald ein schönes Bäumchen aus, das sie nun jeden Tag mit siebenundzwanzig Blumen bekränzen solle, hatten die Blumen und Gräser gesprochen. Die Quelle riet ihr dies sieben Sommer lang zu tun. Wenn sich der siebente Sommer zu Ende neigte, solle sie ein Beil nehmen, die Äste abhacken und schließlich den Stamm spalten. Das Bäumchen veränderte sich sehr in diesen sieben Jahren. Anfangs hatte es viele Zweige, doch die meisten vielen ab und es blieben am Ende nur zwei sich gegenüberstehende Äste übrig. Rund um den Stamm wuchsen Gräser mit sehr hohen, dünnen und biegsamen Halmen. Als der siebende Sommer zu Neige ging nahm die Frau ein Beil und ging zu ihren Bäumchen in den Wald. Als sie nun den einen Ast abhackte stöhnte das Bäumchen. Sie erschrak sehr und lief fort. Am nächsten Tag schlug sie den zweiten Ast mit einen Hieb herunter. Als sie das Bäumchen wieder stöhnen hörte traute sie sich ein paar Tage nicht mehr in seine Nähe. Doch dann vollendete sie das Werk und hackte den Stamm entzwei. Das Bäumchen schrie laut auf und fiel in Stücke auseinander. Am Boden lag ein Püppchen in ein dünnes, scharlachrotes Tüchlein gehüllt. Das Weib nahm es auf und wickelte einen der Grashalme um das Tüchlein um es zu halten und lief eilig nach Hause. Der Mann betrachtete verwundert das kleine Wesen. Die Jahre vergingen und Borina, das Baumkind wuchs zu einer schönen, starken und fleißigen Jungfrau heran. Doch dann starb die Ziehmutter und Borina hatte keine gute Stunde mehr denn der Ziehvater war immer unzufrieden und schlecht gelaunt. Als Sie eines Tagen in den Wald gegangen war um Holz zu sammeln, kam von den Felsen ein hagerer, grün gekleideter Mann herunter und bat den Pflegevater um Borinas Hand. Der feilschte mit dem Fremden um das Mahlgeld und schlug ein.Ein Gewitter zog über den Rosengarten als der Grüne das Mädchen im Wald fand. Er grüßte und berichtete ihr ,dass er sie soeben für Mahlschatz gekauft hätte und sie nun seine Braut wäre. Er forderte sie auf , ihm zu folgen. Als sie dies verweigerte drohte er mit funkelnden Augen, sie werde beide Arme verlieren. Sie gehorchte aber nicht; da wurde das Gesicht des Fremden zu einer Fratze; gleichzeitig streckte er die Arme aus und machte mit gespreizten Fingern unheimliche Zeichen. Plötzlich vielen dem Mädchen beide Arme ab und wurden zu Holzscheiten. Borina schwanden die Sinne und als sie später zu sich kam war der Fremde verschwunden. Und nun erblickte sie einen berittenen Jäger, der sich durch das Dunkel des Waldes langsam näherte. Der junge Mann stammte aus einem uralten Adelsgeschlecht das auf Falzigg ,heute Völsegg, saß. Er hatte eine leidenschaftliche Vorliebe für das Weidwerk. Zu Fuß ging er am liebsten in den Tschafatschwände hinauf oder in die Pitschidölschlucht; wenn er aber zu Ross auszog, führte ihn sein Weg meist ins Pusenlin und dann hinauf in den dunklen Nigerwald. Dort fand er eines Tages das unglückliche Mädchen das seine Arme verloren hatte. Er ließ sich von ihr erzählen, wie das geschehen war, und während er ihr zuhörte, verspürte er ein tiefes Mitleid mit ihr. Zu hause erzählte er der Stiefmutter begeistert von seiner Bekanntschaft. Die Schlossherrin wusste gleich Bescheid; ihr Mann hatte ihr erzählt, dass , als der Junge noch klein war , eine böse und eine gute Fee dem Buben die Zukunft geweissagt habe. Die Gute sagte er werde das armseligste Weib heiraten, das es auf der ganzen Welt gäbe, die Böse bemerkte, was auch geschehen werde, Zwillinge würde er nicht aufziehen. Als der Vater des Jungen Mannes davon hörte bemerkte er, dass Feensprüche immer in Erfüllung gehen würden. Trotzdem versuchte er den Sohn davon abzubringen. Aber es war alles umsonst. Der junge Ritter ließ sich auf keine Weise von seinem Vorhaben abbringen, und schon nach einigen Wochen führte er das Weib ohne Arme als seine Gattin nach Falzigg. Sie lebten glücklich ein Jahr zusammen als eines Abends plötzlich der urmwächter ins Horn stieß und das herannahen fremder Reiter ankündete, die kamen um den Ritter zu einem Kriegszuge abzuholen. Die junge Frau war entsetzt und wünschte sich er würde gerade jetzt bei ihr bleiben, denn sie war in freudiger Erwartung. Auch der Gatte konnte nicht verhehlen, dass er erschüttert war. Doch er riss sich los, bestieg seinen Streithengst und sprengte davon. Einige Tage später gebar sie Zwillinge. Erst nach drei langen Jahren kehrte der junge Ritter wohlbehalten nach Falzigg zurück. Die Stiefmutter führte ihn sogleich in ihre Kemenate und erzählte von den Zwillingen. Als er dann mit seiner Gattin zusammentraf, war seine Freude nicht so, wie sie sich’s vorgestellt hatte. Und als sie dann die Kinder zu ihm brachte, merkte sie deutlich seine Enttäuschung. Es lag etwas in der Luft, etwas wie ein dunkler Harm, von dem aber beide nicht zu sprechen wagten. Eines Abends aber brach der Ritter das Schweigen und sagte seiner Gattin bittere Worte. Am nächsten Morgen, hatte Borina die Kinder schon geweckt und war im Begriffe mit ihnen fortzugehen. Ihr Gatte fragte sie was sie vorhätte. Sie antwortete, dass sie wieder in den Nigerwald, aus dem sie gekommen war, zurückgehen werde, denn sie wäre ja nur die Tochter eines Baumes. Er trat auf den Söller und blickte ihr nach und es wurde ihm schwer ums Herz. Sieben Tage hielt er es aus, dann ließ er sein Pferd satteln und ritt in den Nigerwald hinauf. Der Ritter trabte tief in den Wald hinein als er plötzlich am Ufer eines dunklen Tümpels seine Gattin erblickte. Auch bemerkte er eines der Kinder; aber als es ihn sah, lief es weg und verbarg sich in einem hohlen Baum. Er kam näher und bemerkte, dass Borina sich bemühte das andere Kind, welches ins Wasser gefallen war, herauszuziehen. Sofort ging ihm der Gedanke durch den Kopf, dass sie das ohne Arme nie zustande bringen könne. Er sprang vom Pferd und eilte hinzu, da bemerkte er, dass Borina das Kind in den Armen hielt. Erstaunt fragte er seit wann sie ihre Arme wieder hätte. Sie antwortete sie wären ihr in dem Moment gewachsen als sie verzweifelt versucht hatte das Kind zu retten. Das Kind bewegte sich und schrie; es war ihm nichts geschehen. Nun suchte sie das andere Kind und er sagte, dass in den hohlen Baum gekrochen sei. Der Baum hatte sich geschlossen und sie hörten das Kind leise singen. „O, lass mich da nach meinem Sinn, ich bin so gern im Baume drin. Die Frau sagte sie glaube das Kind wäre gut aufgehoben, es würde ganz in den Baum hineinwachsen und Blatt und Blume werden. Vielleicht wäre das von Anfang an sein Schicksal gewesen. Der Ritter aber sagte er wisse nun was die Fee gemeint hatte, als sie erklärte, er würde keine Zwillinge aufziehen. Er half ihr in den Sattel, reichte ihr das Kind und führte sie zurück zum Schloss. Hinter dem hohen Rosengarten war still die Mondscheibe heraufgestiegen und die lange Zackenkette ragte nun schwarz in den Himmel. Kühl strich die Luft aus den Wäldern herab. Aber das Schloss war ganz mit Mondlicht übergossen und schien die Ankommenden voll Seeligkeit zu erwarten.

Die verheissene Zeit


Der König des Rosengartens besaß gegen Norden einen großen Jagdforst, wo weiße Hirsche und glänzende Goldfasanen hausten. Bis hoch hinauf in den Felsen weideten Gämsen und ein Mann namens Partschótt war als Aufseher bestellt über das weite Jagdgebiet. Er mähte die Wiesen am Saume des Rosengartens und bewahrte das Heu in Städeln auf, um in der strengen Winterszeit die hungernden Hirsche und Gämsen zu füttern. So arbeiteter er jahrelang bis eines Tages der König den herrlichen Rosengarten versteinern ließ und seinen ganzen Hofstaat in die tiefen Felsensäle hinabschickte; nur den armseligen Wildhüter draußen im Walde vergaß der König. Als er am Abend aus dem Wald kam fand er statt des duftenden Rosengartens wild aufgetürmte Felsgebilde. Er baute sich eine Hütte auf den Grünser Bühel und verrichtete weiter seinen Dienst. Bald kamen fremde Leute herauf und jagten das schöne Wild, ließen ihr Vieh auf den Wiesen weiden. Patschótt versuchte anfangs mit ihnen auszukommen und ermahnte sie nur das Wild nicht auszurotten, als sie sich aber seiner Heustädel bemächtigten und einen Teil des Waldes niederbrannten um die Wiesen zu vergrößern wurde er böse und sprach nicht mehr mit ihnen. Die Leute bekümmerte das nicht; sie bauten Städel und Schwaigen und drängten den Wald immer mehr zurück bis allmählich aus dem Forst des Königs eine riesige Alm wurde. Der treue Patschótt irrte ruhelos umher und trauerte um den vernichteten Wildstand. Der letzte weiße Hirsch flüchtete sich in den Hauensteiner Tann und die letzten Goldfasane flogen zu den Felsspitzen, die man Rosszähne nennt, hinauf. Der alte Wildhüter wurde ganz vergessen, aber alte Hirten wissen genau dass er umgeht und nennen ihn den Almgeist. Jedes Jahr kommt er im Herbst, wenn kein Vieh mehr weidet vom Confinboden herauf, geht langsam zum Grünser Bühel hinüber und schaut sich die Hochfläche an. Da sieht er, dass er noch warten muß und geht schweigend zu den Schlernschroffen wo er verschwindet. Das wird er noch viele Jahre so machen müssen. Aber eines Tages, nach unzähligen Jahren, wenn er im im Morgengrauen über die herbstlich- stille Alpe schreitet — sieht er oben auf dem Grünser Bühel den Sänger Oswald von Wolkenstein in voller Rüstung stehen. Da tut der alte Patschòtt einen Jauchzer, den man bis zur Raschötz hinüber hört, und aus den Bergen ringsum tönen vieltausendfache Rufe. Denn dann ist die v e r h e i ß e n e Z e i t gekommen, wo wieder wird, was einmal war. Oswald von Wolkenstein stimmt wieder seine längst verklungenen Lieder an, der Rosengarten ersteht in alter Pracht, die versunkenen Bergpaläste erscheinen wieder und all die schlafenden Zwerge erwachen wieder zu neuem Leben. Da wird der Zirbelwald sich ausbreiten und die Seiser Alm bedecken bis zum Grünser Bühel; der alte Patschòtt aber wird in dem neu entstandenen Jagdforst seines Königs wiederum das Wild hegen, wie ehedem in grauer Vorzeit.

Die Schildmaid und die Rose des Gedenkens


Die erste und schönste Rose in König Laurins Rosengarten wurde vor langer, langer Zeit dort in luftiger Höhe gepflanzt. Sie stammte noch aus einer Zeit in der die Menschen in Einfachheit ohne Neid und Zwietracht lebten. Sie kannten weder Totschlag noch Krieg. Man nennt sie die Rose des Gedenkens. Sittlieb, eine Schildmaid kam vom Norden in die Alpen und hörte von des Zwergenkönig Laurins prächtigen Rosengarten und beschloss ihn zu suchen. Laurin stellte sie als seine Schildmaid ein um im Kampfe als seine Glücksbringerin an seiner Seite zu sein. In Friedenszeiten solle sie aber, den inzwischen etwas verkommenen Rosengarten neu gestalten, dass er wieder in altem Glanze erblühe. Sittlieb fing gleich mit der Planung an. Die Zwerge ihr das Vorhaben zu verwirklichen. Jeden Morgen ritt die Schildmaid mit dem König aus und er fragte sie nach einiger Zeit wann er den neuen Rosengarten nun bestaunen könne. Als nun eines Tages alles fertig war und Sittlieb den König bitten wollte den Garten anzuschauen, gab ihr Laurin zu verstehen, dass er jetzt schon so lange gewartet habe und die Besichtigung gerne auf seine Hochzeit verlegen würde. Dann würden auch alle Gäste ihre Arbeit würdigen. Sie solle nach seiner Hochzeit hauptsächlich der Königin dienen. Sittlieb ging traurig in den Garten und bemerkte gleich, dass die schönste Rose des Gartens die Rose des Gedenkens verschwunden war. Nithart ein Vertreter des Königs hatte sie geschnitten um in Laurins Namen um die Hand einer jungen Prinzessin Namens Simild anzuhalten. Sittlieb war sehr erbost und verlangte die Rose zurück. Sie wollte den Glanz des wundervollen Gartens durch den Verlust der pracht-vollsten Blüte nicht schmälern. Am nächsten Morgen ritt Sittlieb fort und wollte nie wieder zurückkehren. Von da an hatte der König kein Glück mehr denn Sittlieb war seine Segensspenderin.

Maria sink am Schnaggenkreuz


Am Übergang von Prösels nach Völser Aicha steht heute das Schnaggenkreuz. Früher hieß es „Malfesink“ ein Wort das wohl aus der Frühzeit stammt und das man bis heute nicht deuten kann. An der Stelle des Sumpfgebietes beim Kreuz soll einmal ein Moarhof gestanden haben. Die Hofleute aber waren gottlos, sie tranken und tanzten durch die Nächte und pfiffen auf Gott und die Kirche. Da geschah eines Nachts das Unheil: Der Hof begann im Moor zu versinken. Als die Nachbarn am Morgen vorbeigingen, sah man nur noch einige Dachschindeln und einen Strohhut auf dem Wasser schwimmen.. Und so nannte man den Ort „Moar versink“. Jüngere Generationen glaubten, es sei da anstelle eines Hofes eine Kapelle der Gottesmutter untergegangen, und so entstand der Name „Maria sink“ Vom Schnaggenkreuz erzählt man auch, dass die Hirten die es geschnitzt hatten vergaßen dem Gekreuzigten mit einem Bart zu versehen. Es wuchs ihm daher ein solcher von selbst. Man mochte von ihm wegschneiden so viel man wollte, er wurde nie kürzer.

Die Schatzsage


Schatzsagen hängen oft mit dem Bergbau zusammen. Die alten sprachen oft von einem Knappenloch am Weg von Blumau nach Völs, aus dem man seinerzeit Gold gegraben hatte. Als die Leute einmal noch nach dem abendlichen Betläuten schürften, kam der Berg ins Rutschen. Zum Glück waren es nun die sagenhaften Erdmannlen, die die Knappen auf die Gefahr aufmerksam machten, so dass sich diese retten konnten. Das Bergwerk aber verfiel. Ein Knecht vom Michäler in Völser Aicha hat einmal mit dem Pflug einen Kessel voll Gold aus dem Acker gebaut. Darüber erschrak der Mann so sehr, dass er es ganz vergaß, zu beten oder den Fund mit Weihwasser an Ort und Stelle fest zu bannen. Also versank der Schatz wieder vor seinen Augen, und es war eine weinerliche Stimme zu hören, welche rief: „Hättest du den Kessel unter den Worten „in Gottes Namen“ gehoben, wäre ich erlöst gewesen. So aber muss ich weitere 100 Jahre büßen, und bis auf die neunte Generation gibt es keinen rechten Michäler mehr!“

Die Sage von den Steinegger Erdpyramiden


Hier lag einst eine wunderschöne und ertragreiche Wiese, welche zum Unterhalt des jeweiligen Seelsorgers über Generationen hin vom Dosserbauer bewirtschaftet wurde. Als einer dieser Bauern nach mehrmaligen Aufforderungen den fälligen Pachtzins verweigerte, sollte das Gericht Steinegg ein Urteil in dieser Sache fällen. Da keine urkundlichen Zeugnisse vorgelegt werden konnten, und der Dosserbauer, obwohl er wissend war, seine Behauptungen durch einen Eidschwur bekräftigte, wurde die Wiese diesem zugeschrieben. Der Pfarrer war bedrückt, der Dosserbauer war stolz. Doch noch am selben Tag zogen sich dunkle Wolken zusammen und machten den Tag zur Nacht. Jedermann ahnte, dass etwas Unheimliches bevorstünde. Ein Wolkenbruch prasselte nieder, Blitze zuckten, Donner rollten, so wie es Steinegg noch nie erlebt hatte. Erst gegen Morgen schien das Unwetter allmählich nachzulassen und als der Dosserbauer das saftige Gras seiner Wiese mähen wollte, traute er seinen Augen nicht. Vor ihm gähnte ein tiefer Abgrund, aus dem nur mehr einige Spitzen und Schuttkegel aufragten. Gott hatte sein Urteil gesprochen, jedoch anders, als die Menschen es erwarteten.

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